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Oelixdorfer
Lustgilde von 1539
Der Vorstand ist stolz auch in diesem Jahr zum Gildefest einladen zu dürfen.
Zu den in der Reformationszeit aufkommenden Gilden gehört auch die Oelixdotfer Gilde. Sie bezweckte eine gegenseitige Brand-, Korn- und Krankenversicherung und durch das traditionelle Königsschießen eine Wehrhaftmachung für den Notfall.
Sie wurde gegründet von Graf Johann zu Rantzau, dem am 16.01.1528 ein Teil des Kirchspiels ITZEHOE, mit den Gemeinden Winseldorf, Schlotfeld. Oelixdort und Kollmoor, verbunden mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit von Friedrich I. übertragen wurde. Seither ist der Hausherr des Schlosses Breitenburg auch der Schirmherr der Gilde und schon damals gehörte die Geselligkeit zu den "besonderen weiteren Bestimmungen" der Gilde, die deren Gründer den Oelixdorfern seit 1539 "gewährte".

Die Geschichte der Oelixdorfer Gilde ist in mehreren erhaltenen Gilderollen belegt, die im Kreisarchiv bewahrt werden. Nachdem in Oelixdorf und seinen Nachbargemeinden der Versicherungsverein zum Beginn des 20. Jahrhunderts aufgelöst wurde, hat sich die Gilde mit ihrem geselligen Teil als kommunikatives Gemeindefest einen festen Platz im Oelixdorfer Dorfleben gesichert und hieß fortan "LUSTGILDE".
Für die historisch Interessierten ist dies im Einzelnen in der "Oelixdorfer Chronik" von Peter Fischer aus dem Jahre 2004 nachzulesen.
Zu den heutigen Pflichten der 8 Vorstandsmitglieder (Ob sie deshalb "Achtmänner" heißen ist zweifelhaft — eher von „Acht"-geben = Beisitzer des Vorstandes) und deren Ältermann, die jedes Jahr zu Aschermittwoch das Gildefest planen, gehört die Werbung der Schaffer (früher Knechte, die bei der Reinigung der Stallungen des Vollbauem halfen, der als Gildewirt das jährliche Schankrecht bekam), weiter die genaue Buchführung (denn der Vorstand verwaltet die Einlagen seiner Mitglieder) und die persönliche Mitarbeit bei der Ausgestaltung des Festes.
Am ersten Freitag im Mai versammeln sich Vorstand und Schaffer zur Weinprobe und zu letzten Absprachen z.B. für das Säubern des Schießplatzes am Sonntag vor Pfingsten, zur Verteilung der Werbeplakate (diese werden von den Oeiixdorfer Grundschülem ausgemalt) oder zur Ausgestaltung des Kinderfestes (was seit 1975 für die 11- bis 15-Jährigen parallel mit dem Kinderfest der Grundschule veranstaltet wird).
Am Morgen des Festbeginns am Freitag treffen sich die Achtmänner und Schaffer zum Saalschmücken (da es leider kaum noch möglich ist, auf einem Hof zu feiern, ist dies die Gildegaststätte) und zum Herrichten des Schießstandes in der Oelixdorfer Feldmark (Schlang). Am Nachmittag enden die Vorbereitungen mit dem Kranzbinden und einer gemütlichen Kaffeerunde mit den Ehefrauen der Vorstandsmitglieder.

Der Abend beginnt mit der Generalversammlung, mit den Themen Kassenbericht, Wahlen und sonstiges. Anschließend wird der Tanzabend eröffnet. Frauen und Männer sitzen getrennt und es gibt ausschließlich Damenwahl. Als Dank für das Schankrecht spendiert der Gildewirt bis Sonnenuntergang Freibier für alle, das in den alten Zinnkrügen reihum gereicht wird und dem Festauftakt seine Namen "Beerprövabend" verliehen hat.
Für die Mitglieder ist es der größte Spaß, dem Vorstand durch traditionelle Regeln und Spiele möglichst viele Flaschen Wein
abzuhandeln, der das einzige alkoholische Getränk ist, das auf dem Gildefest ausgeschenkt wird.
Am Sonnabend werden alle Oelixdorfer durch den Umzug durch das Dorf geweckt. Der Vormittag steht dann im Zeichen des Königsschießens, das mit dem Absingen des Schleswig-Holstein-Liedes eröffnet und beendet wird. Geschossen wird auf dem Natur-Schießplatz im Schlang auf 75m mit einem Kleinkalibergewehr. Jeder der seinen Jahresbeitrag gezahlt hat, darf an dem Wettbewerb teilnehmen. Einen Schuss ins Schwarze nennt man bei der Gilde einen "Hut", was im "Loch" (dem Platz des Schießmeisters unter der Scheibe) auch so angezeigt wird. Geht ein Schuss daneben, heißt es (Richtung) "Kremperheide". Ob gut oder schlecht - für beides spielt die Melodie und der Schreiber (meist der
Schulleiter) oder die Schießaufsicht
erhalten ein Freigetränk.
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Vom
Schießen ist heute eigentlich wenig zu hören, denn bei Essen, Trinken und Musik wird des kleine Waldtal an diesem Morgen stets zum einem Volksfestplatz.
Nach dem Rückmarsch, dem gemeinsamen Singen des Schleswig-Holstein-Liedes und den Salutschüssen für die neuen Majestäten begeben sich alle zum Essen.
Das Fest krönt der "Große Festball", mit Tanz und Musik. Höhepunkte sind die Königs- und Schaffertänze. Er schließt bei Sonnenaufgang am Sonntag mit einem Rasentanz (... barfuß !).
Da kein Gewinn für die Gilde erzielt werden soll, sind die Beiträge und Eintrittsgelder ("Groschentanz") stets moderat - unsere Gildekasse aber meist leer. Trotzdem werden wir in der Fülle der gesellschaftlichen Veranstaltungen nicht untergehen und vertrauen in diesem Punkt auf alte Traditionen. Die Vereine des Dorfes sind in das Geschehen eng eingebunden und beteiligen sich stets am Gelingen des Wochenendes.
Es gibt nur zwei - in der Gilderolle festgelegte -Regeln, die durch einen
Mitgliederbeschluss in den letzten 100 Jahren geändert wurden. Zu einen wurde kurz vor
dem 1. Weltkrieg der Versicherungsverein aufgelöst, da die Erstattungen im Schadensfall nicht mehr zur Deckung der Kosten ausreichten (letzte Auszahlung 1908 in Höhe von 84,60 Mark nach einem Brand). Seit dieser Zeit wurde der jährliche Gildebeitrag trotz "Lustbarkeitssteuer" nur noch für das Gildefest verwandt. Zum Zweiten haben wir den Gildetermin, den Graf Johann zu Rantzau auf den Dienstag in der ersten vollen Woche nach Pfingsten festgelegt hatte, 1992
auf das Wochenende verschoben, da die meisten Gildemitglieder nicht mehr frei (wie einst die Bauern) über ihre Urlaubstage bestimmen können und möglichst viele an dem Fest teilhaben sollen.
Alle übrigen Abläufe und Überlieferungen werden, wie unsere plattdeutsche Sprache, auf dem Gildefest gepflegt. Das bedeutet für uns nicht, dass Einzelheiten dieser traditionellen Abläufe sich mit der Zeit nicht verändern. Es beweist uns nur: „Die Gilde lebt !”
Auf der Oelixdorfer Gilde fließt Freibier zum Beerprövabend !
"Oelixdörp fiert wedder de Gild..." ruft der Ältermann Fritz Theede seinen Schaffern und Achtmännern zu, die traditionell am Aschermittwoch die Vorbereitungen für das Gildefest begonnen haben. Der Schießstand ist repariert und für guten Wein und Musik ist gesorgt. Selbstverständlich werden auch in diesem Jahr die Oelixdorfer Schulkinder als "Gegenleistung" für das von der Gilde mitgestaltete Schulfest wieder fleißig beim Bemalen der Gildeplakate helfen, die schon zu einem bekannten Markenzeichen geworden sind. Das Gildefest beginnt am Freitag nach Pfingsten mit dem morgendlichen Saalschmücken bei der neuen Gildewirtin Frau Südermann, um 19.30 Uhr folgt dann die Generalversammlung. Erwartet wird natürlich auch ein Mitglied der Familie zu Rantzau, die die Schirmherrschaft dieser Gilde seit 465 Jahren übernimmt. Am Sonnabendmorgen geht es dann zum Königsschießen in den Schlang, nachdem man sich mit einem Frühstück bei Martin Rentz, dem König 2005 und der Königin Mareike Fock im Neubau-Gebiet gestärkt hat. Ein Höhepunkt wird wieder der Große Festball am Sonnabend, dem 10.6. um 20.00 Uhr, auf dem die neuen Majestäten proklamiert werden und durch fleißiges Tanzen so einige Flaschen Wein zu erringen sind.
"Wir freuen uns auf alle Gäste, die Spaß an einem traditionsreichen Fest haben."
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Festprogramm
F r e i t a g 9. Juni
2006
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19.30 Uhr
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"Beerpröv-Abend" für
jedermann bei der Gildewirtin "Unter den Linden" in Oelixdorf
den ganzen Abend Live-Musik und Damenwahl ! nach Brauch bis Sonnenuntergang Freibier
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Sonnabend 10. Juni 2006
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7.30 Uhr
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Wecken durch Musik - Treffpunkt "Unter den Linden"
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8.00 Uhr
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Umzug durch das geschmückte Dorf zum Königsfrühstück
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8.45 Uhr
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Abmarsch zum Schießstand
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bis 13.00 Uhr
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Schießen um die Königswürde im Schlang
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ca. 13.00 Uhr
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Rückmarsch mit Musik in den Garten der Gildewirtin
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20.00 Uhr
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"Großer Festball" mit Königsproklamation
bei der Gildewirtin "Unter den Linden" in Oelixdorf
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DAS FEST ENDET BEI SONNENAUFGANG MIT DEM BERÜHMTEN RASENTANZ !
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Achtung Besonderheit auf Plattdeutsch für ahnungslose Zugereiste ---
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Oelixdörper Lustgill vun 1539
Dat
Fest geiht bi Sünnenopgang mit den bekannten Rasendanz to enn!
De 10
Gebote för den Beerprövabend
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1.
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Du schasst di nich an den Vörstandsdisch
seifen. Bit ton Sünnenünnergang is hier blot's Platz för den Öllermann, de
Achtmänner, den Schriewer un den König.
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2.
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Du schasst nich op de falsche Siet sitten. De Fruunslüüd
sitten (vun den Vörstandsdisch ut keken) op de linke un de Mannslüüd op de
rechte Soolsiet.
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3.
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Du schasst (sures) „Namborger Beer” pröben.
De Beerkrööge ward vun de Schaffer füllt un
op de Gillkist afstellt. De Achtmänner, de een
Taschenmess drägen mööt, schnied dorto de Zitronen för dat Beer spiralförmig
in.
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4.
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Du schasst nich mit dien Dischnover strieden.
Op dat Kommando vun den Öllermann ward de Krööge an de Dische
verdeelt. Se ward vun de Mitglieder (Maaten) ndt Drinken mit een Fuustslag
op den bisch un den Roop „ Prost Broder” oder Prost Süster" - so as de
Klockenwieser löppt - wiedergeven. Sünd de Plätze links neben di f ree, musst
du opstohn un den Kroog an den nächsten öbergeben. An den Vörstandsdisch mookt
dat de Schaff er. Eenen leddigen Kroog warst du dörch den open stohen Deckel
wies. De Schaffer bruukt dorto nich ropen warrn.
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5.
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Du
schasst de Wiewer wählen loten. Den ganzen Obend is
Domenwohl.
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6.
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Du schasst mit den Vörstand danzen. Is de
Danz anfungen, versöökt de Fruunslüüd alle Achtmänner un den Öllermann op de
Danzfläche to'n Dnnz to holen. (König und Schriever teilt
nich.) Is de Vörstandsdisch leer, dröv de Gillkist
„klaut” warrn.
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7.
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Du schasst de Kist wedder hergeben. Markt
de Öllermann, dat de Kist weg is, mookt he een Angebot um de Kist torüch to
köpen. Meist eenigt man sick op so veel Buddels Wien, wie Fruunslüüd
op de Gillkist 10 Sekunden lang stohn köönt.
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8.
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Du
schasst de Kist nich anfoten. Is de
Vörstand an'n Disch, dörv de Kist nich anfoot warm.
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9.
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Du
schasst de Kist na 5llnnenünnergang vun den Disch nehmen. De Kist
dröv blot's bit to'n Sünnenünnergang klaut wanrrn.
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10.
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Du
schasst nich mit den Öllermann diskereern. In'n Twiefelsfall
hett he jümmer Recht!
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Fritz Thede - Ältermann - Roggenhof 14 D-25524 Oelixdorf
Tel.: 04821 - 9786 Fax.: 04821 - 9474021 Überlassen
am 17.05.2006
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erfasst
19.05.2006
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