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Bruderschaftswappen

ST. KNUDSGILDE

 Königlich-Dänisches Wappen in Katusche

Ihren Namen, "Sankt Knudsgilde" hat die damalige Wehrgilde in Flensburg erhalten, als Herzog Knud Lavard im
Jahre 1170 heilig gesprochen wurde. Die meisten größeren Städte in Dänemark hatten eine St. Knudsgilde, aber
mit König Knud als Schutzheiligen. Wenn die Gilde in Flensburg Knud Lavard als ihren Schutzpatron wählte,
war das nur natürlich. Herzog Knud war nämlich Ältermann einer Gilde in Schleswig gewesen, von wo aus er im
Landesteil für Ruhe und Ordnung sorgte.

Die erste Satzung der St. Knudsgilde in Flensburg, der
"Schragen" ist in einer schönen Handschrift aus den
Jahren um 1400 erhalten. Die Satzung ähnelt sehr dem "Viterlagsret" Knuds des Großen , der damit Ruhe und
Ordnung im Kreise der Hirdmänner (seiner Leibgarde) wahrte und sich den nötigen Respekt nach Außen
verschaffte. Der Schragen der St. Knudsgilde hat in gleicher Weise für die Gildebrüder und -schwestern
Bedeutung gehabt Die Regeln waren streng. Leben um Leben, und Verstöße waren mit hohen Bußen belegt.

Welch große Macht die Gilde in der Stadt inne hatte, ist aus dem Paragraphen 127 aus dem Jahre 1284 abzulesen:

Der Ältermann der Gilde war Bürgermeister der Stadt mit dem Recht, Mitglieder des Rates zu berufen und auch
abzurufen.

Mit Beginn der Reformation verschwanden die St. Knudsgilden im jetzigen Dänemark wie alles andere katholischen
Ursprungs. In den alten dänischen Gebieten in Schonen und Südschleswig aber überlebten die Bruderschaften,
wohl insbesondere deshalb, weil die Wehrgilden hier immer noch benötigt wurden. In Schonen handelte es sich um
die Gilden in Lund, Malmö und Ystadt, die sich alle auf Knud den Großen als Schutzheiligen stützten. Auf Gotland
errichtete Waldemar der Große, der Sohn Knud Lavards, eine Gilde, natürlich mit Knud Lavard  als Schutzheiligen.
Diese Gilde ist kürzlich wiederbegründet worden. Auch in Reval gab es im Mittelalter eine St. Knudsgilde, die sich
auf Knud Lavard berief.

Sie wurde von deutschen Handwerkern als Karnevalsgilde gegründet und hat bis zum II. Weltkrieg bestanden. Das
Gildehaus steht heute noch, und die Stadt will es jetzt restaurieren. Damit bietet sich die Möglichkeit, eine St.
Knudsgilde neu zu errichten.

Die Flensburger Gilde hat im Laufe der Zeit mehrfach still gelegen, oft auf Veranlassung der Obrigkeit, teils durch
Pest und Krieg. Immer wieder wurde sie aber auf die Initiative Flensburger Bürger wiederbelebt, sobald sich dazu
eine Gelegenheit bot, oft auch unter einem anderen Namen, wie z. B. "Die alte Pfingstgilde" oder "Papageiengilde",
als man damit begann, Schießübungen auf einen Holzvogel auf dem Stadtfeld abzuhalten. Der alte Name wurde
wieder eingeführt, als der Ältermann Johann Henrik Jess Kruse das neue Gildehaus im südlichen Stadtteil am Mühlenstrom und der "Hilligwater"-Quelle einweihte.

Obwohl das Haus während der Kriege 1848, 1864 und der beiden Weltkriege vom Militär beschlagnahmt war, trafen
sich die Gildebrüder regelmäßig anderenorts. Die Gilde besitzt eine Reihe Kostbarkeiten, einen Silberschatz, der im
städtischen Museum verwahrt wird mit unter anderem einem Willkommenspokal aus dem Jahre 1721 und einem
schweren Deckelhumpen aus reinem Silber, ein Geschenk Friedrich VII. Im Gildesaal hängen unter Glas die alten
restaurierten Fahnen, die der Gilde von König Friedrich V. im Jahre 1759 und von König Friedrich VII. im Jahre 1859
verliehen wurde. Mit Stolz empfing die Gilde ihre dritte Fahne, ebenfalls mit dem dänischen Reichswappen auf
grünem Grund, verliehen von König Friedrich IX im Jahre 1959. - Fahnen vor der Restauration.

Seit den 1840iger Jahren bis heute ist die St. Knudsgilde ein Hort für nationalbewußte dänische Bürger, die sich
zwischen Ende April und dem 6. Oktober jeden Mittwoch im Gildehaus treffen und in geselliger Runde mit
Gesprächen, Kartenspiel und Wettstreit auf den Schießbahnen die alten Traditionen pflegen, und mit einem gemein-
samen Essen im Gildesaal in festlichen traditionsbestimmten Rahmen ausklingen lassen.

Am 7. Januar, dem Todestag Knud Lavards, versammelt man sich zur "Ordentlichen Adelgilde", die in besonderem
Maße der Pflege der Bruderschaft gewidmet ist. Man gedenkt der verstorbenen Brüder und hört die "Neujahrsbotschaft"
des Ältermannes. Am 12. März, Knud Lavards, findet ein Essen statt, zu dem auch die "Gildeschwestern" und Gäste
eingeladen werden, und anschließend wird zum Tanz aufgespielt. "Die Große Adelgilde" findet am 25. Juni, dem Tage der
Heiligsprechung Knud Lavards, statt. Früh morgens marschieren die Gildebrüder durch die Stadt zur St. Knudsborg,
unterbrochen von einem kurzen Empfang im Rathaus.

Im Garten des Gildehauses nimmt seine Majestät, der Schützenkönig, die Parade ab. Später werden die neuen Brüder
endgültig aufgenommen. Der Schützenkönig lädt seine Brüder zum Königsfrühstück ein. bevor alle den ersten Schuß auf
die Königsscheibe im Wettstreit um die Königswürde des kommenden Jahres abgeben. Mittags versammelt man sich mit
den zahlreichen Gästen zu einem festlichen Essen und den Festreden. Es folgen der 2. und 3. Schuß auf die Ehrenscheibe
und der Tag klingt aus mit einem weiteren Festessen und dem Festball zusammen mit den Gildeschwestern. Am
6. Oktober, dem Geburtstag  von König Friedrich VII., endet die Saison wieder mit einem Festessen und Tanz.  (Ole/PH)

redigiert + erfasst 05.03.2006 ---> englische Übersetzung