|
Unser lieb Frauen Totengilde
Liebe Gildebrüder ich bin für Späße immer zu haben und so übersetze ich die in Fraktur gedruckten 4 Buchseiten, welche ich als zwei JPG-Dateien zugesandt bekam in heute lesbare Lettern, wobei ich den alten Schreibstil erhalte, denn dieses Buch muß nach 1929 geschrieben worden sein, wie es aus demt Text zu erahnen ist, des weiteren werden verschiedentlich Worte mit "th" und "dt" verwendet. Kaiser Wilhelm II. beschwerte sich einst, daß bei aller Moderne, das "th" an seinem geliebten Throne zu verbleiben hätte. Hätte ich nicht 1970, da war ich gerade 10 Jahre alt, die Fraktura-Blei-Schriften in der Druckerei meines Vaters sortieren hellfen müssen, weil ein Setzkasten zu weit aus der Schiebladenlagerung gezogen wurde, wüßte ich gar nicht, welcher Buchstabe welchen Sinn ergibt. - So geht es vielen, denen Sütherlin und Fraktur, wie babylonische Keilschrift vorkommt! Ich wünsche Euch ebenfalls viel Spaß bei neuen Erkenntnissen zum Thema Gilde! (Von der Fußnote zum Anhang und zrück klicken ist möglich!)
18. Die Totengilde "Unserer lieben Frauen Gilde" Zu den freien, im Mittelalter zur höchsten Blüte gelangten genossenschaftlichen Vereinigungen Gleichberechtigter zur Förderung ihrer gemeinsamen Interessen gehört auch die Totengilde "Unserer lieben Frauen Gilde", eine noch heute bestehende Sterbekasse, die in den alten Zeiten wohl "Haubt=Gilde" bzw. "Rothgilde" 1) genannt wurde. Gelangten die Gilden überhaupt im Mittelalter auf eine besonders hohe Entwicklungsstufe, so sind diese Einrichtungen an sich doch viel älter. Allerdings läßt sich das Gründungsjahr der Bevenser Totengilde, da die ältesten Urkunden nicht mehr vorhanden sind, nicht genau feststellen. Immerhin dürfte diese Gilde in derselben Zeit gegründet worden sein, in welcher die "Bruderschaft und Schwesternschaft des Kalandes unserer lieben Frauen zu Bevensen" entstanden ist, also schon vor dem Jahre 1379. (S. Kaland zu Bevensen.) Vielleicht weist die Uebereinstimmung der Beinamen beider Vereinigungen auf eine ungefähr gleiche Enstehungszeit hin. Es könnte auch sein, daß die Vereinigung der Geistlichen des Pfarrbezirkes Bevensen im Kalande un die mit ihr verbundenen Sitten und Gebräuche den Anstoß zum Zusammenschluß der Bürgerschaft des Fleckens in der Totengilde gegeben hat 2). Die Totengilde mag bald nach 1293 3) entstanden sein, als unter dem Schutze der Burg ein Weichbild entwickelt hatte. Der große Wert dieser Einrichtung trat so recht in die Erscheinung, als mit den übrigen Orten Deutschlands auch Bevensen in den Jahren 1348 - 1350 von einer furchtbaren Pest, dem "Schwarzen Tod", heimgesucht wurde. Die Totengilde besaß schon mit dem Ausgange des 14. Jahrundert verschiedene liegende Gründe, die "Gilde-Gueder" oder "Gilde-Land" genannt wurden. An Zuwendungen durch Bürger, die ohne Erben verstarben, fehlte es nicht. War doch ein jeder Gildegenosse von dem Nutzen dieser Vereinigung überzeugt. "Die Ländereien und Garten wurden theils gekauft, theils an die Gilde verehrt, zum Behuef der Gilde oder nothgilde, Todtenbretter bey Zeiten zu kaufen und in böser Krankheit einander beizustehen, dami ein jeder seine Todten nicht selbst begraben müßte 4)." Das Land wurde verpachtet, außerdem zahlte jeder, der in 178
die Gilde
als Bruder bzw als Bürger eintrat, ein Kaufgeld. So erklärt es sich.
daß die Gilde von jeher nenen den Grundstücken ein großes Vermögen
besaß. Uerber die Gildegrundstücke gibt uns ein Verzeichnis von
"26 May Anno 1686" Aufschluß: "1. Verzeichnis der
güter so zu unser lieben frauen gilde zu Bevensen gehören, 40 Stücke
Landes, so Tidecke Korn vor 9 1/2 Mk. dem Gilde verkoft, und liggen
- - - 12 Stücke zu Bünstorff, - und uff den midelsten Gelde - 14,
- und uff den anderen Gelde nach dem Closter-wort auch - 14, - noch
5 Stücke zu Bünstorff der de hole Käle zugehöret, so eher zum Gilde
gewest, noch eine wort vor dem Closter Dore (d. i. das Tor nach
Medingen, genannt 1699 5) zwischen Hotel Schulze und
Hotel Reichshof), noch ein garde über dem water, so der Blave Pape
dortho gegeven, noch ein garde über dem water, so Heine Meyer dartho
gegeven, noch ein garte over den water, so Heine Segher dartho gegeven
anno 1422 an dage marien. - - 2. noch haben Gerdt und Harneid brodere,
Jürgens sone, dem rade zu Bevensen tho behuef des Weichbildes vorkofft
eine wort, so dar liecht vor dem grapendore (dort, wo die Bergstraße
eine Biegung nach Südwesten macht) und die graper von dages up gewonet
hebben, mit aller gerechtigkeit in weide und holte und Belde vor
7 Mk. 4 Schilling anno 1403 den 1. Sonntages post St. Dionysy"
6).
Die
Gildekasse zahlte dem Lehrer zu Bevensen einen Teil seines Gehaltes.
Der Schulmeister M. Gabriel Gebaldi bekam 1667/68 von der Gilde
8 Thaler 8 Schilling 8). Erhielten die verstorbenen Gildemitglieder
früher "Dannen=Diehlen" zum Sarge, so wird jetzt eine
einmalige Beihilfe (Sterbegeld) gezahlt. Die überschießenden Einkünfte
wurden früher "zum Besten des Fleckens" verwendet. Noch
heute werden sie der Fleckensgemeinde zur Verfügung gestellt. Auch
von den "Dannen=Diehlen" wurden einige dem Rat gegeben.
1672 bekommt der "Schulmeister 1 Dannen=Diehle zu Banke",
2 Dielen werden bei der Brücke verbraucht, 1 in der Hirtenkote zu
der Tür 9). 1699 wird die Reparatur des Klostertores
aus Gildegeldern bezahlt 10). Häufig kam es auch vor,
daß Dannen=Dielen zur Anfertigung von Hausgerät verkauft wurden.
1667 erhielten die Rademacher in Bevensen einige Diehen zur Anfertigung
von Karren 11). Das 'Leich=Laken" der Gilde wurde
vielfach gegen eine Gebühr von 8 Schilling nach auswärts verliehen
12). Wurde die Gildeabrechnung abgelegt, so trank man
dabei nach altem Brauch das Bier aus einem gemeinsamen Becher. In
der Sammlung des Herrn Rudolf Schliekau zu Bevensen befindet sich
ein derartiger Zinnbecher. Dieser trägt die Inschrift: "Diesen
Becher hat der Chyrurgius J. G. Jähnichen und M. D. J. geborene
Hüttin Der Hoch-Löblichen Todtengilde zum Andenken Verehrt. Anno
1813. 180
lung einer
Beihilfe zu den Kosten der Beerdigung, welche beträgt: a) bei Verheirateten
50 M., b) bei Unverheirateten 48 M., c) bei Kindern, welche
nach vollendetem 1. Lebensjahre versterbeb 36 M., d) bei Kindern,
beim Tode innerhalb des 1. Lebensjahres, und bei Totgeburten wird
eine Unterstützung bis zur Höhe der bei der Bestattung einer
Totgeburt gewöhlich entstehenden Kosten gewährt" 13). 1) Hann. Def 74, Amt Medingen A, Fach 174, Nr. 1; Bürger=, Schatz=, Gilde= und Servis=Rechnungen des Fleckens Bevensen von 1665 - 1711, G. 3; S. 86. - 2) In Baer in Westfalen bestand schon 1279 ein Kaland (Reg. Westfal. III, S. 569), in Oschersleben schon im Jahre 1225 (v. Müllerstedt, Ztschr. f. Harzver. III, S. 174); 1303 findet sicheiner in Fallersleben und Gifhorn (Ledebur, Die Kalandsverbrüderungen in den Landen des sächsischen Volksstammes mit bef. Rücksicht auf die Mark Brandenburg, in den märkischen Forschungen IV, S. 34 f.); 1305 in Lübeck (Lübecker Urkundenbuch Abt. I, S. 484); 1306 in Lüneburg (Volger, Urkundendenbuch der Stadt 181
Lüneburg I, S. 150). - 3) Orig. des Stadtarchivs Lüneburg. Vgl. Sudendorf, Urkundenbuch IcI, S. 122 u. Bolger, U. B. Bd. 1, Urkunde 192/193. - 4) Hann. Def. 74, Amt Medingen A, Regiminalie Fach 174, Nr. 1, S. 86 - 5) A. a. D. S. 81 - 6) A. a. D. S. 62 ab. - 7) U. a. D. S. 3/4. Hier finden sich die Gilderechnungen von 1667 - 1675 und 1685 - 1687, ferner die Monita zu den Gilderechnungen von 1699 - 1711 und die Bevenser Schatzregister von 1672 - 1675. Gildeherren waren von 1665 - 1670 Franz Schneider und Hans Salemann, von 1671 - 1675 Peter Klesche und Franz Blumenthal, 1685/86 Johan Martin Blumendahl, 1686/87 Michael Perkun. - 8) A. a. D. S. 10. - 9) A. a. D. S. 32b. - 10) A. a. D. S. 81b. - 11) A. a. D. S. 32; S. 5. - 12) A. a. D. S. 32. - 13) Nach den Satzungen der Totengilde von 1911. 14) Hann. Def. 74, Amt Medingen, A., Regiminalia Fach 34, Nr. 123. erfasst 14.12.2006 - nachtrag 19.12.2006 |