Von der Sippe bis zur Gilde


Die Anfänge der Gilde, wenn man sie bis dato überhaupt so bezeichnen kann, sollte nach Auffassung der national-patriotischen Forschung der 20er Jahre und der vor-national- sozialistischen Forschung Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, auf die germanische Sippe zurückgehen.

Der geschichts-wissenschaftliche Hintergrund fußt auf dem Sachverhalt des Zwischenspiels der kriegerischen Auseinandersetzung und daraus resultierenden nachrangigen Mißerfolge Karl des Großen im Kampf gegen die Sachsen, im heutigen Niedersachsen um Aller und Verden. - In Ostholstein sollen noch Bodenformationen als Limes Saxonia gegen die wiederspenstigen Sachsen auszumachen sein.

Eine genossenschaftlich organisierte Sippe als sozioökonomisches Gespinst, welche den Eigenheiten vieler bäuerlichen Großfamilien nebeneinander im lockeren Verbund lebend, entspräche, wo alle Generationen beteiligt, beschützt und behütet bleiben, quasi von der Wiege bis zur Bahre, wäre nachvollziehbar als der abstrakte Uridealtyp der Gilde.

Die vorchristliche religiöse Vorstellungswelt der Antike ist geprägt durch den Polytheismus, der durch Druiden, Schamanen und Seher ihre Verbreitung fand. Das Druidentum kannte keine Schrift und basierte auf mündlicher Überlieferung. Die Druidenausbildung dauerte 15 Jahre und deren Zusammenkünfte fanden so oft zur Sonnenwende statt. Viele Götter hatten nicht nur Griechen und Römer, sondern auch die germanischen, normannischen und wikingischen Stämme, letzterer welcher mit seiner Walhallasage dem Zeusepos in nichts nachstand.

Der Zerfall des Römerreiches begann mit dem Einfall der Hunnen, die die größte zusammenhängende Volksgruppe der Goten vor sich her trieben und so eine Völkerwanderung größeren Ausmaßes quasi anschoben.

Einer einsetzenden Christianisierung, die durch Flavius Theodosius „Theodosius der Große“, „Gotenfreund“ (347 - 395) originär initiiert wurde durch den Ausschluss der Vessalininnen (römische Tempelpriesterinnen) vom Entgeltbezug, er verbot Opferdarbringungen jedweder Art und ließ die ersten Klöster errichten, was zur Heidenverfolgung führte.

Er war von 379 bis 394 Kaiser im Osten des römischen Reiches und ab Ende 394 letzter Kaiser des Gesamtreiches. Der einsetzende Zerfall wurde historisch im 4. Jahrhundert als Spätantike definiert. Nach seinem Tod 395 führte die damit verbundene Aufteilung des Reiches in zwei Herrschaftsbereiche unter seinen beiden Söhnen jedoch letztlich zur endgültigen Trennung in ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich. Im 5. Jahrhundert begannen mohamedanische Umtriebe deren religiöse Ausbreitung mit Glaubenskriegen ein her gingen.

Das frühe Mittelalter begann im 8. Jahrhundert, wo alsbald die Franken unter Karl Martell dem Großvater von Karl dem Großen (Herrschaftszeit: 714 - 741) von sich Reden machten.

Der bis Dato einzigste eidliche Zusammenschluss galt einer handeltreibenden, fränkischen Gilde zu Herstadt (dem Geburtsort von Karl des Großen) tragen die Idee der beistandgewährenden Einigung sowie den christlichen Glauben in die Welt hinaus.

Nach der Christianisierung beginnt die sakrilegische Knechtung durch die altkatholische Kirche und ihrem Heiligenglauben, der die im Wechselglauben christianisierten germanischen Stämme durch die Substitution ihrer archaischen Götter auf die diversen Heiligen kanalisiert, um eine zwanghafte Bindung der Menschen an diese Kirche und Religion zu vollziehen. Viele Heidnische Heiligtümer sind mit Kirchen überbaut worden

Die Kirche war bereits zu diesen Zeiten ein Wirtschaftsunternehmen, das weniger am Heil und Gutbefinden seiner Schafe interessiert war, als an ihrer Wolle.

Die Angst des im Mittelalter lebenden Menschengeschlechts vor vermeintlich begehbaren Sünden, mit dem Tod und der damit verbundenen unbefleckten Seele vor dem Schöpfer ins Paradies eintreten zu können, war das höchste Gut, was arme, reiche, ungebildete und gebildete beschäftigte.

Sie sahen sich verpflichtet, ihren Glauben und der damit verbundenen reinen Ausübung ihrer Gebete und keuscher Lebensgewohnheiten zu achten, sich abhängig von einer Priesterschaft zu machen, die ihr Leben zur Hölle auf Erden machten.

Die Sünde lebt in den Köpfen weiter, die von Kindesbeinen an durch familiäre und klerikale Religiösität fehlgeprägt wurden. Durch die Zivilgesellschaft wurde Sitte, Moral und Sünde durch Obrigkeit, Kirche und Staat geprägt, manifestiert und fixiert.

Durch die vermeintliche Sorge um Arme, Kranke, Verwirrte oder Irre und Sterbende setzte sich ein Bild von Kirche in den Köpfen der Menschheit fest, welches auch heute noch eine lukrative Erwerbsnische der christlichen Kirche darstellt, weil aus Pietät geschwiegen wird. Emanuel Kant, ein Philosoph der der Aufklärung nannte Religion und Kirche selbstverschuldete Unmündigkeit. Wenigen Mitmenschen ist bekannt, daß die römisch-katolische Kirche die Charta der Menschenrechte nicht unterschrieben hat.

Was spräche dagegen nach EU-Recht das Zölibat als völkerrechtswidrige Kirchenvorschrift zu bannen, schließlich unterliegt der Vatikan als pseudostaatliche Gebietskörperschaft europäischem Recht.

Durch die Ohrenbeichte wurden einst die Menschen im Mittelalter manipuliert und gegenseitig ausgespielt und bedroht mit glaubhaft gemachten Wetterkatastrophen gefügig gemacht aufgrund ihres vermeintlichen unflätigen Lebenswandels o. ä. in einer der Kirche gelegentlich auch der Obrigkeit gedrängt, die unter einem freien Willen nie zustande gekommen wäre.

Karl der Große (Der Sachsenschlächter) unterwirft schlußendlich die Sachsen und ist der größte Widersacher der genossenschaftlichen Organisation, zeigt gerade diese Form der Schadenbegrenzung nach verheerend scheinenden kriegerischen Angriffen kaum Wirkung der Feindverletzung.

Weil der gesamte Teilstamm seine verwundete Gemeinschaft hinsichtlich der erlittenen materiellen Schäden und vernichteten Lebens, zum einem mit Gütern zum anderen mit zur Verfügung gestellter Ersatzarbeitsleistung anderer Sippenmitglieder auffängt und abfedert, so daß anfänglich keine Erfolge zu erzielen waren.

Die altrömische Kirche forcierte bei der frühen Christianisierung das Verbot von gildlichen Zusammenschlüssen vor allen Dingen sollten Schwurbruderschaften nicht erlaubt sein, fürchtete man im Vatikan nichts so sehr wie Verschwörungen und vermeintlich abweichende Glaubensansätze, wie die durch die Intrige des Französischen Königs Philipp gegen den ehemals in Südfrankreich  gelegenen Orden der Tempelritter. Jene aus Palästina zurückgekehten Kreuzritter fanden sich zu einer Bruderschaft zusammen.

In Deutschland ging aus dem Malteser Orden (römisch-katholisch) nach der Reformation der Johanniter Orden (evangelisch-lutherisch) hervor; beide Organisationenen arbeiten heute partiell zusammen!

Nach der Hinrichtung des Hochmeisters der Tempelritter verstarben der französische König in einem Duell und der Pabst nur wenige Monate später. Weder die französische Krone, noch der Vatikan waren in der Lage sich das Vermögens der Templer anzueignen. - Man unterstellte den Templern Häretiker zu sein (= franz. Hérésie = Ketzerei)! Nach aufwändigen Recherchen erlöste das Historische Archiv des Vatikans selbst, daß es sich einzig und allein um eine Intrige des damaligen Papstes handelte.

Der Ablaßhandel und weitere Anmaßungen der altrömischen Kirche führten letztendlich zu Martin Luthers Thesen 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg und der darauf folgenden Reformation im 15. Jahrhundert, die seinerseits den nun im Mittelalter befindlichen religiösen Gilden den Gar auszumachen schien. Kalande und pastorale Bruderschaften wurden mit der Auflösung der Klöstern aprupt niedergelegt. Luthers Strafpredigten, hielten den Bruderschaften ein heidnisches und säuisches Wesen vor, was jedoch politisch und kulturell keinerlei Wirkung zeigte.

Die Auflösung der Klöster bereicherte die jeweiligen Landesfürsten, so daß die Reformation nicht nur den Glauben betraf, sondern auch die erwerbswirtschaftliche Vermögenserweiterung der jeweils herrschenden Klasse. Da die meisten Klöster gebrandschatzt waren, verblieben in Schleswig-Holstein kaum Standorte klösterlicher Entfaltung übrig. in die irgendwelche Brüder hätten zurückkehren können.

Das ehemalige Kloster Preetz, daß zwar seinen Namen als solches behielt, war von nun an ein Stift unverheirateter adeliger Fräulein ohne Mitgiftansprüche oder verwitweter adeliger Damen. Das Kloster Cismar wurde eine zunächst seiner ostholsteinischen Ländereien beraubt, um es im Verlauf der Zeit erst zu einer Gutseinheit, dann zur landesarchivarischen Verwaltungseinheit werden zu lassen. Beide Klöster verfügen über reiche bibliografische Archivarien, die sich leider nur mit dem Großen Latinum erschließen.

Im Jahre 1635 gab es die größte Pestepidemie.

Die während Gegenreformation mit dem 30jährigen (von 1618 bis 1648) und dem Schwedenkrieg verursachten unzähligen Toten und des Leides, was der Eigenorganisation kleiner Funktionseinheiten Vorschub leistete, sich auf die Hilfe auf Gegenseitigkeit zu fixieren, weil die adelsherrschaftliche Administration vielfach nicht mehr existierte.

Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges und der in Wellen durchziehenden Pestepidemien entvölkerten weite Landstriche, die bis in die frühe Neuzeit einheitsstaatliche Bestrebungen zu Nichte machten, das sogenannte Landesteile deutscher Sprachgebiete daran gehindert waren zu einer Nation zusammenzuwachsen und die frühzeitige Kolonialisierung nicht möglich war, weil man von angemessenen Seehäfen abgeschnitten war, die durch Dänen und Schweden besetzt waren.

Die Historiker beharren auf der Ansicht, daß der Zusammenbruch des weit verbreiteten Gildewesens an der Kategorie „Macht“ gebundenen Wirksamkeit abzulesen war. Dieses Ende sei zu messen an einer endenden Vorherrschaft des Rates, dem gegenüber das ehemals mächtigeren und älteren Gebildes Gilde, welche in die Wirkungslosigkeit eines, an solchem Machtverständnis orientiert, abglitt als bürgerlich-geselliger Zusammenschluß.

Dies ist aber nur zu verstehen, wenn man voraussetzt, daß die Zunft einst aus Gilde und Amt bestand. Das Amt war die Verknüpfung der Meister im Rat der obersten städtischen Administration. Die Gilde stelle man sich hier nur als geselligkeitsförderndes Konstrukt und genossenschaftliche Versicherung vor.

Die „religiöse Gemeinschaftsidee“ hat durch Demokratisierung zur Ablösung der patrizischen zur mittelständischen Gilde geführt. Das Verhältnis zwischen heidnischen und christlichen Elementen, Trinkgelage, Opferschmaus, brüderlich und oder christlicher Hilfeleistung und Nächstenliebe haben die Diskussionen im 19. Jahrhundert genährt; dennoch wird die Stütze der Religion als essenziell wahrgenommen:

„Die Gilde verlor in dem neuen evangelisch-lutherischen Glauben gewonnenen Landen die Stütze der vormaligen altrömischen Religion. Die mittelalterlichen, den ganzen Menschen umfassenden Lebensgemeinschaften verschwanden.“

Der Umfang und die Wichtigkeit muß erweitert werden, um die Möglichkeit, über die Gilde Ansehen und Reputation zu gelangen, was zum Ende des Mittelalters zum „äußeren Aufblühen“ der Gilden führt, womit das Gildeleben einen oberflächlichen, auf Äußerlichkeiten bedachten Charakter bekam und ständischer Zuordnung lebenswichtiger Bedeutung der Einordnung beigemessen wurde, an dem die Gilde ihren unmittelbaren Anteil trug.

Ihre Integrität (= Rechtschaffenheit, Unbescholtenheit, Redlichkeit), ihre Exklusivität (=anspruchsvoll, abgesondert, nicht jedem zugänglich, gesellschaftlich ausgrenzend) , all das messbar am Grad der Verfügbarkeit (Initiation, Riten, Repräsentationsutensilien) manifestiert die soziale Stellung und Darstellung der Gildebrüder sieht diese als äußerst notwendige gesellschaftliche Einrichtung an, die die interkulturellen Beziehungen des Bürgertums im Widerschein des eigenen Lichts reflektiert.

Mit dem Verfall der Zünfte, die einst meist unter einem Hauptzweig eines Gewerkes, meist der Zimmerleute oder Steinmetze (Kirchenbau - Bauhütte) die meisterliche Handwerkerschaft in so genannten Ämtern vereinigten, verfügten bereits über eine genossenschaftliche Organisation, welche Preise festschrieb, einen Begräbniskult verbarg und auf Grund ihres Kartellcharakters den Zorn der Obrigkeit hervorrief. Von den Städten wurden Freimeisterbriefe ausgestellt, um die zementierte Preispolitik der Zünfte zu unterlaufen, was die Existenzfähigkeit der Zünfte stark beeinträchtigte und letztendlich zur Auflösung dieser führte.

Durch die Trennung von Amt (Tätigkeitsfeld) und Gilde (Geselligkeit und Versorgung), blieb das Kultgefäß des Morgentrunks erhalten, welche sich die Meister jeden Sonntagmorgen nach dem Kirchgang zu unterziehen hatten, nämlich der Willkomm, welcher sowohl aus Silber als auch aus Zinn gefertigt wurde.

Das größte Missverständnis der älteren Literatur unterstellt dem Brauchtum der Gilden nachhaltig das Gelage, wobei dies nicht annähernd der Fall gewesen sein konnte. In den Zünften und Gilden, wurde zwar Geselligkeit begangen, nicht aber wie oftmals fehlgedeutet, überzeichnend übermäßig gezecht, sondern die Grundlagen finanzmathematischer Verfahren kaufmännischer Kalkulationsgrundlagen und Organisationsstrukturen gelegt, die auch noch in der modernen Betriebswirtschaft gelten. So etwas kann man nur mit klarem Verstand erdenken, wohl kaum im permanenten Vollrausch.

Das aus dem dänischjütisch stammende Wort Gelaug, wurde im Zusammenhang einer Eindeutschung zu Gelag, Gelag und Gelaug bedeuten gleichermaßen Schiffer- oder Kapitänsbruderschaft. Das Gelage - ein Wort mit einer völlig anderen Bedeutung - wurde durch missliche Assotiation durcheinandergewürfelt und durchzieht auch die neuere Literatur, die von den älteren etnologischen Werken kopiert und ohne hinterfragende Intellektualität  fortgesponnen wurde. So wird auch heute noch fortwährend unterstellt, Gilde sei als elitärer Sauf-Club festzumachen. 

Dazu kommt, dass Brunnenwasser in den frühsten Tagen der Menschwerdung bei starker Besiedelung oft durch Kloaken verseucht wurde und man Bier und Wein deshalb dem Brunnenwasser vorzog. Das damalig gebraute Bier verfügte nur über einen Alkoholgehalt von maximal 2% Alkohol, was dazu führte, sehr viel trinken zu müssen, um jemals einem Vollrausch zu erlösen, des weiteren eine dauerhaften Sanitäranlage nah dem Tagungsort bedurft hätte, die in keinem der alten Gilde- und Zunfthäuser bautechnisch auszumachen waren.


11.08.2008 eingefügt


Napoléon Bonaparte (15.08.1769 – 05.05.1821) führte die Gewerbefreiheit ein, was die Auflösung der meisten Zünfte auslöste. Die letzte "Zunft" die bis in die Jetztzeit reicht, ist die der Schornsteinfeger. Auch wenn der moderne Schornsteinfeger längst wie alle anderen Gewerke in Innungen organisiert ist, war der Zusammenschluß der einst als Kaminkehrer bezeichnete Berufsgruppe legendär, welche nun auch bedingt durch die Europäische Gemeinschaft und Brüsseler Marktnormungsbestrebungen ausgelöscht zu drohen scheint. Nur in Italien schützte der Heilige Stuhl die Goldschläger- und Brokatmacherzünfte bis in das Heute.

Aufgrund beschäftigungspolitischer Relevanz hat man den Meisterzwang bestimmter Gewerke ab 1990 gesetzlich aufgeweicht oder entfallen lassen, damit nun schon der Geselle einen erwerbswirtschaftlichen Betrieb gründen und etwaiges Personal einstellen kann, ohne jedoch ausbildungsberechtigt zu sein. Gefährdungsbezogene Gewerke, wie die der Elektriker und Gasinstallateure werden wohl nie ohne Meister auskommen, ich hoffe es für uns alle! Allerdings konnte ich bei den meisterfreien Malern schon viele Schmierfinken und Abkocher ausmachen.

Viele Utensilien der Zünfte wanderten in den Besitz der Gilden. Doch die so genannten Meisterkronen, die von den Hochmeistern oder Obermeistern zu bestimmten rituellen Zusammenkünften getragen wurden, blieben verschollen. Nur in der Schweiz gibt es sie noch vereinzelt, siehe Züricher Safranzunft.

Die großen Bierkannen blieben erhalten und landeten in Museen, weil ihre Verwendungsfähigkeit aufgrund der Mengengröße und der späterhin fast industriell gefertigten Biere, die mit einer sogenannten Brauhefe hergestellt wurden, ein weit höheren Alkoholgehalt aufwies, als die Hausbiere die aufgrund der geringeren Hygiene mit quasi abgestürzter Brauhefe gegehrt und durch das Erhitzen zusätzlich an Alkoholprozenten verloren.

Der vollzogene Meistertrunk diente der Absprache und Umsetzung diverser Vorhaben auf allen Ebenen, weniger dem Besäufnis, wie von vielen Außenstehenden mißgedeutet wurde. Auch gab es während des Mittelalters sogenannte Dünnbiere, deren sehr geringer Alkoholdichte (Stammwürze) höchstens 2 Prozent aufwies. Nicht zuletzt dank eines Mangels an sauberen Trinkwasser.

Die Darstellung, daß Backhefe für diese Biere verwand wurde, stimmt nicht, weil die Backhefe nur wenig Alkohol verträgt. Sie wird quasi schnell beschwipst und stellt dann ihre Arbeit ein. Ähnliches bestätigte mir Herr Woitek, Braumeister der Holstenbrauerei Hamburg. So kann man mit Weinhefe kein Bier, mit Brauhefen keine Kornbrand-Maische ansetzen, wie es ebenfalls absolut unmöglich erscheint, mit einer Brennhefe Backen zu können.

Beim Nachbrauen dieser Biere minderer Qualität könnte sich höchstens ein Alkoholgehalt von heutigem gestrecktem Bier resultieren (eventuell Alsterwasser/Radler). Auch die Schleswig-Holsteinischen Bauern brauten diese Hausbiere, welche als Erfrischungsgetränk und flüssiges Brot bei der Feldarbeit genutzt wurde, weil die Biere lange gelagert werden konnten und nicht bei großer Hitze umkippten, wie eingemachte Fruchtsäfte, die sich fast in schöner Regelmäßigkeit zu ungenießbaren schimmeligen Essig umformten.

In manchem alten bäuerlichen Kochbuch finden sich Hinweise auf die Fertigung der Hausbiere und auf sonderbare Rezepte von Biersuppen. So kann es nicht verwundern, daß die Gilden die Biernähe aufrechterhielten, nur mit ganz wenigen Ausnahmen ist der adelige Wein, der auf der Gildetafel gelandet. Genügend Südhänge gäbe es wohl in Schleswig-Holstein, wobei es an der lieblichen Witterung im hohen Norden fehlt, woraus sich eine derart üppige Menge des süßsäuerlichen Traubentranks keltern ließ.

Das Abschweifen vom Kern, was Gilde heute ist, ist relativ schwer zu fassen, da der Begriff heute nur noch die weitgefaßte genossenschaftliche Verbindung einer Gruppe definiert, aber keinerlei Anhalt einer formaljuristischen Unternehmensbezeichnung bietet.

Auch wenn diese Bezeichnung von unter dem Begriff Gilde firmierenden Unternehmungen benutzt wird, ist nicht immer drin, was auch draufsteht.

Die hannoversche Gildebrauerei hat wohl nicht mehr viel mit Gilde zu tun. Die Versicherungsgilde ist oft ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Und manche Schützengilde bietet kaum die genossenschaftliche Unterstützung ihrer Beteiligten. Manche Lustgilde betreibt einen VVaG. Die Ausrichtung der als eingetragener Verein bezeichneten Gilde kann hinsichtlich ihrer Zweckbestimmung derart unklar sein, daß diese in ihrem Wirken und ihren Zielen separat untersucht werden müssen, um zu begreifen, was Gilde für den Einzelnen, die Gruppe oder Bevölkerung eines Wohngebiets tatsächlich bedeutet.

Diese kleine Zusammenfassung stellt den Ursprung unwissenschaftlich mit kleinen Meilensteinen versehen dar, um meine Leserschaft nicht mit fachübergreifenden Literaturverweisen zu paralysieren.

erfasst 07.03.2007 - nachgetragen 12.04.2007