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Nachfrage beim 2. Vorsitzenden der Alten Gaardener Gilde von 1738 e.V.

Prolog:

Erst ein Telefonat, weil über die Emailadresse von Peter Doose nichts mehr ankam, wurde die telefonische Kontaktaufnahme dringend erforderlich, weil mein Vornamensvetter, Detlev Hoffmann, 1. Ältermann der Preetzer Schützengilde von 1442 e. V., unbeding gewußt hätte, welche "W"-Fragen sich hinter diesem schönen alten original Sterling-Silber-Löffel verbergen. Denn so ein altes Stück schreibt Vereinsgeschichte. - Hätten wir das Pech gehabt und er wäre in die Hände eines alternativen Silberschmied gefallen, wäre der Löffelgriff vielleicht als Zier für einen schönen Frauenhals umgearbeitet worden. Mit der Mitteilung der Mail-Adresse erfuhr ich, dass die Alte-Gaardener-Gilde gerade dabei ist eine Internetrepräsentanz aufzubauen. Sie ist natürlich noch im Entwicklungsstadium. Denn das was die Gilden besonders viel haben, ist ein reicher Fundus an Geschichte und Geschichten. - Vieles ginge nicht verloren, wenn es aufgeschrieben würde, was unsere Ehren-Gildebrüder als Anekdoten zum Besten gaben!

Meine Frage an Gildebruder Peter:

Lieber Peter,

vielen Dank für Deine angebotene Hilfe, nach dem Löffelempfänger von 1926 nachzuschauen. Mein Bericht hierüber findest Du unter
http://www.gildenforschung.de/fo_loeffelfund.htm .

Hinsichtlich des Doppelkopfadlers vermute ich, dass Euer Vogel eine Ehrenbezeugung an den gewordenen Zar Peter III gewesen sein kann.

Mich würde interessieren, wie ein heutiger Abschußvogel von Euch aussieht und wie groß er in Natura ist. Hast Du mal ein paar Bilder für Eure Homepage, die schon ganz gut ausschaut.

Der Flachbildschirm wird immer verbreiteter und es sollte berücksichtigt werden, farblich nicht zu dunkel aufzutreten. Die exakte Farbscala des Wappenbildes stimmt noch nicht ganz mit dem Hintergrund. Man könnte stattdessen, das Wappentier auch als Gif-wertige Grafik transparent benutzen.

Falls Ihr Hilfe bei Grafiken, Bildbearbeitung und Spezialsoftware benötigt meldet Euch einfach, vielleicht kann ich weiterhelfen.

Liebe Grüße
Detlev

 

Die Antwort:

Lieber Detlev,

danke für Deinen Anruf und die Email. Bei dem abgebildeten Löffel handelt es sich eindeutig um den "Gewinn" des Schützen, auf den nach der verdeckten Liste der Königsschuß des Vogelschießens 1926 gefallen ist und der danach für ein Jahr, bis zum nächsten Vogelschießen, zum Schützen- bzw. Gildekönig proklamiert wurde. Die Besteckteile, das sogenannte "Silberzeug", erhielten nähmlich nicht die erfolgreichen Schützen, sondern die Gildebrüder, auf deren Namen nach einer verdeckten Liste die jeweiligen Abschüsse fielen. Deshalb wurde die Besteckteile auch als "Gewinn" bezeichnet.

Die Gildefeier des Jahres 1926 fand am 20. und 21. Juni statt. Das Programm für Montag, den 21. Juni 1926 lautete:
- Morgens Schießen in der "Karlsburg" (ehem. Gaststätte und Gildelokal im jetzigen Dreieck B 4 - B 404)
- Frühstück 12 Uhr in der "Perle" [ehem. Gaststätte und Gildelokal "Zur Perle" in der Alten Lübecker Chaussee)
- Nachmittag Kindervergnügen und Schießen in der Karlsburg
- Abends Ball in der Perle

Auf dem Ball wurden üblicherweise die "Gewinne" verteilt. So muß an diesem Abend unserer König des Jahres 1926(/1927 ), Titus Siemsen, den fraglichen Löffel erhalten haben. Die Gravur lautet "Dem Schützenkönig der G.G. v. 1738 G.G. 1926" (und nicht "Dem Schützenkönig der G.G. v. 1733 G.G. 1926"). G.G. steht für Gaardener Gilde, denn den heutigen Namen Alte Gaardener Gilde von 1738 e.V. hat die Gilde erst 1948 bei der Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten (den Zusatz e.V. noch später).

Nähere Angaben über Titus Siemsen können wir nicht machen, da, wie ich Dir bereits telefonisch mitgeteilt habe, fast alle Gildeunterlagen und -utensilien im Zweiten Weltkrieg einem Bombentreffer auf unserer seinerzeitiges Gildelokal, die "Stumpfe Ecke" in der Bahnhofstraße, zum Opfer gefallen sind. Durch einen glücklichen Zufall konnten lediglich die Königskette, die Gildelade und ein Protokollbuch mit den Niederschriften der Mitgliederversammlungen von 1902 bis 1942 gerettet werden. Die Namen unserer Gildekönige konnten wir nur anhand der Schilde an der Königskette rekonstruieren.

Dem Protokollbuch konnte ich Datum und Programm der Gildefeier 1926 entnehmen und daß im Jahr 1927 für das "Silberzeug mit Gravierung" 250,- RM veranschlagt waren.

Eine Abbildung unseres heutigen Gildevogels, auf den das Königsschießen stattfindet, habe ich Dir beigefügt. Die Vermutung in Bezug auf unseren Gildevogel mag stimmen, da die Bestätigung unserer Gilderolle von 1739 durch Zar Peters Vater erfolgte.

Dein Angebot zur Hilfe bei unserer Homepage habe ich an unsere Webmaster weitergeleitet.

Liebe Grüße
Peter

Die besonders große Anzahl der vielen Flattern (= externe Vogelbestandteile), läßt auf eine besonders große Schützengruppe und recht solide geführte Gilde schließen.

 

Fazit:

Nun wissen wir ein wenig mehr über den Empfänger, Titus Siemsen, des "Gewinns", was natürlich sehr spärlich ist, weil das Gros an Unterlagen während des Bombenhagels des Zweiten Weltkrieges über dem Stadtteil Gaarden, aufgrund der direkten Werftnähe, zum Raubfraß der Explosionenen und Brände wurde.

Der Vorname Titus allerdings ist sehr außergewöhnlich, für die damalige Zeit, wo die männlichen Vornamen eher auf, Asmus, Alfred, August, Bert, Detlef, Frantz, Fritz, Friedrich, Gustaf, Heinz, Hans, Heinrich, Immo, Karl, Ludwig, Otto usw. lauteten., Titus musste einer besser gestellten Familie entstammen, wie ich vermute, vielleicht war sein Vater Meister oder Ingeneur auf der  Kaiserlichen Werft zu Kiel?


23.05.2008 erfasst