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Lexikon für Volkswirtschaft - Gewerbe und Industrie aus dem Jahre 1888

Zunft, ehemals fachgenossenschaftliche Verbände
von zum Gewerbebetrieb berechtigten Handwerkern
eines Gewerbes oder nach verwandter Gewerbe zum
Zweck der Förderung ihrer gemeinsamen wirtschaft=
lichen, sozialen und politischen Interessen, insbeson=
dere der Betreibung dieser Gewerbe nach gewissen
Regeln, unter besonderen Statuten (Zunftartikel),
eigenen, meist selbst gewählten Vorstehern, welche in
den Versammlungen der Genossen (Morgenspra=
chen) den Vorsitz führten, und mit der Befugnis, alle
anderen Personen vom Betrieb dieser Gewerbe in dem
betreffenden Bezirk auszuschließen (Zunftzwang).
In ihren besseren Zeiten betrachten sich die Zünfte
als Bruderschaften mit gegenseitigen Unterstützungs=
pflichten der Genossen. Innerhalb der Zünfte wa=
ren vielfach die Gesellen zu G e s e l l e n b u d e r s c h a f =
t e n oder G e s e l l e n l a d e n organisiert, um einander
in Krankheitsfällen etc. zu unterstützen. Diese G e =
s e l l e n v e r b ä n d e, welche anfangs der Z. nicht feind=
lich gegenüberstanden, machten es sich später mehr
und mehr zur Aufgabe, ihr Interesse den Meistern
gegenüber zu wahren. Über die Entstehung und Ge=
schichte der Zünfte vgl. Z u n f t w e s e n.

01.06.2008 erfasst