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(Ur)Altes Holz in neuer Verwendung

Was macht man eigentlich mit einer gammeligen (gammel dän. = alt) Gildelade, wenn sie so kaputt ist, dass die Reparatur nicht mehr lohnt, dass eine Neuanfertigung nach den alten Maßen und Machart preiswerter werden. Selbst der Austausch weniger Eichenholzteile zur kompletten Zerstörung der Lade führt. Letztendlich in der Summe der unsachgemäßen Behandlungsversuche erlöste sich das Resultat wie von selbst.

Sie hatte schon vor etlichen Jahren einen Defekt am Riegel, der nach dem Verschluss so klemmte, dass sie nicht mehr geöffnet werden konnte, was aus einer Notiz des Registerbuches des Ältermanns hervorging.

Der ebenfalls unzähligen Jahrzehnten verblichene Gildebruder-Dorfschmied und Schlosser (in den 1950ern), ein Meister seiner Zunft, der das Schloss nochmals fettete und von seinen Vorfahren einst gefertigte Werkstück überlassen wurde, hinterließ keinen eingeweihten Nachfahren, die damaligen Schlosser waren mit derlei sonderbarerer Mechanik überfordert, selbst der Uhrmacher vom Nebendorf kam nicht hinter die Technik, wie ein Schloss mit drei synchron zu drehenden Schlüsseln zu öffnen sei.

Da man sie, wie seit Jahrzehnten erprobten Wege nicht wieder auf bekam, weil sich die Scharniere im Kisteninneren verbargen und der Riegelmechanismus an den drei Hakenstiften gesperrt war, gab man auf und lagerte sie von da an bei einem der Achtmänner, der sie auf seinem verwurmten Küchenschrank aufbewahrte. Weil der irgendwann nicht mehr vermochte gut zu laufen, stieg er auch auf keine Leiter mehr, um auf dem Küchenschrank Staub zu wischen. Zwischendrin wechselten die Älterleute alle paar Jahre. Die Küche, immer schön wechselwarm und feucht. Man wagte zu spekulieren und munkelte nur Rosinenmehlbüddel.

Als seine Erben dieses vermeintliche Schatzkästchen wiederentdeckten, brach die eine lange Seitenwand ein. Die Lade gab nun den Inhalt frei, die sich als einige unbenutzte, konvexe Silberschilde, die man für die Königskette zum Verlängern, eine schweinslederne Mappe mit einem vernieteten, kleinen Silberschild "acht~mann" in der einige Pergamente steckten, die aus weit zurückliegender Zeit als Gildekontrakte auszumachen waren, und ein großer elfenbeinähnlicher Petschaft mit Bronzesiegel von Anno Krog (= ist plattdüütsch und meint mit den vier Buchstaben für Krug, die Jahreszahl seines unbestimmbaren Alters).

Das Gemeindemuseum lehnte freundlich ab, die wollen die ganze Kiste mit Holzwurm, seinen übrig gelassenen Löchern und vermeintlich unversehrtem Schloss.- Zum Verbrennen zu schade zum Reparieren zu verrostet. Die übrigen Seiten der Kiste zerbrachen staubig, das Schloss ließ sich von innen auch nicht mehr zerlegen, ein Haufen Holz mit einem Klumpen fettig verrostetem Eisen.

Das Gerücht, dass Holzwürmer Eiche meiden, entzog sich der dendrochronologischen Beweisführung durch Zerfall, wahrscheinlich Trockenfäule.

Der beauftragte Schreinermeister riet davon ab, das schwarze Ding in seine Werkstatt zu bringen, weil so ein Schimmelpilz seine Holzvorräte verseuchen würde und nahm die Maße vor Ort ab. Die Kiste rocht teerig, wahrscheinlich Leinöl, Harz, Holzteer in Terpentinöl gelöst, wer weiß heute schon was die früher mit Kiste beiztechnisch so angestellt haben.

Aufgrund der zu imitierenden Schlossmechanik sollten 5 Laden hergestellt werden, weil der Meister vermutete, man hätte vier Teile zum Versemmeln, falls es mit dem Ein- und Zusammenbau nicht sofort klappte. Auch die Schnitzereien sollten möglichst originalgetreu übertragen werden. Dann schnitz mal Eiche, viel Spaß damit.

Der in der Frühschicht eingesetzte Altgeselle als Maschineneinrichter fertigte Bauteile für fünfzig Kisten, weil der Trocknungsgrad des zu verwendeten Holzes mit Null angeben war und die Zwei, die auf dem Karton im Graupapier seines Auftragszettels umgedreht hingelegt, mit der Schutzbrille, unter der seine Lesebrille nicht passte, 50 las.

Das mit dem Ökopapier, war in diesem Fall eine Milchmädchenrechnung! Material und Stundenaufwand etwas mehr als 3.000,-- DM statt 500,-- DM zu den zuvor veranschlagten Kosten. Ja, ja, das war noch zu unseren alten DM-Zeiten.

Die alte Lade wurde von der Gilde in einen gläsernen Schaukasten verbannt und lagert irgendwo wo keiner mehr hin muss. Ein Imitat wurde abgenommen, wo die Lederkladde, der Petschaft und die paar Silberschilde untergebracht wurden, also beim nächsten Ältermann. Und da man für die restlichen 49 Laden in der Schreinerei keinerlei Verwendung hatte, wurden sie dort gelagert, wo bereits die schadhaft abgeschriebenen Maschinen abgestellt sind, wie es mir vom Altgesellen erzählt wurde, um sie gegebenenfalls für einen Kassettenschrank verwendbar zu machen. Er hat nie verraten von welcher Gilde die Lade stammte, vielleicht war er ja selbst Mitglied.

Dieser war (
^ rip) ja auch Mitglied bei uns in der Computerecke, der den Computer in seiner Firma flux verstehen sollte und nicht damit zu Rande kam - so über seinen Sohn zu uns stieß -, was aber eine andere Geschichte auftut. CNC-Technik mit Holzverarbeitung war wohl nicht mehr fassbar, einfach schrecklich!?

Als ich wieder vor einigen Monaten die Schreinerwerkstatt besuchte, fiel mir sofort eine neue Verwendung für das Relikt einer alten Lade ein. Denn die Schlossausparung hatte die Größe eines DVD-Laufwerkauslasses. Immer wieder fiel einem der dunkle Kasten auf dem Gesellenspint auf, der schon langsam verstaubte, fragen kostet nichts und die Zustimmung des neuen Gesellen hatte ich sofort und fragte unseren Hardwarespezi vom Computerclub, ob er schon mal eine fast historische Holzkiste gemoddet hat. Er brauchte einige Zeit, jetzt ist die Kiste innen mit Computerelektronik versehen und steht in meinem Forschungsraum unterm Dach und wartet unter gildelade@t-online.de auf nette Geschichten von Euch.

Ich unternehme hier den Versuch die verbleibenden Holzkisten für 40,-- Euro das Stück an Bastler mit ähnlichen Ambitionen zu verkaufen. Allein die Holzart und die teilweise Vorfertigung rechtfertigen einen solchen Preis. Eine Füllung an der Langseite pro Kiste fehlt, was aber die Modifikation eher erleichtert. 

Der Erlös aus den Laden soll einem nutzvollem Zweck zugeführt werden, so wie es der Tradition der alten Gilden entspricht, als Spende für ein Kinderfest, die unter den mir bekannten Gilden verlost wird, die ein Kinderfest ausrichten. Der Rechtsweg und jegliche gewähr wird dabei ausgeschlossen werden. - Ich werde jedoch darüber berichten, welche Gilde den Erlös erhält.

Mal sehen, wer von Euch so ein Ding haben möchte?


erfasst 23.07.2011