<BGSOUND src="dw.wav">

 
 

Die Entwicklung der Feuerwaffen

Ohne das nach dem Freiburger Mönch Berthold Schwarz  im 14. Jahrhundert benannte Schwarzpulver - es wurde allerdings allen Legenden und Dichtungen zum Trotz nicht von ihm erfunden, sondern stammt aus China wo es bereits viele Jahrhunderte zuvor schon für pyrotechnische Spielereien eingesetzt wurde (arabische Reisende brachten es zu Berthold Schwarz Zeiten mit nach Europa möglicherweise über Spanien) - wäre die Entwicklung der Feuerwaffen in dieser Form nicht möglich gewesen.

Schwarzpulver besteht in seiner recht einfachen Zusammensetzung, die heute im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten kein Geheimnis mehr ist, aus 15/20 Salpeter, 3/20 Holzkohle, 2/20 Schwefel. Um das Pulver gegen die Aufnahme von Feuchtigkeit nach der Herstellung zu schützen wird Grafitstaub beigemengt, was dem Pulver den etwas fettigen Glanz verleiht. Für interessierte Hobbychemiker sei gesagt: Auch wenn die Zutaten relativ einfach zu bekommen sind, es ist verboten Schwarzpulver selbst herzustellen, weil das Handtieren mit diesen Substanzen als überaus gefährlich einzustufen ist und bei Zuwiderhandlung sehr empfindliche Bestrafung droht.

Herstellung und Besitz werden strafrechtlich verfolgt - ohne entsprechende Bescheinigungen und Erlaubnisse. Auch für die gesicherte Unterbringung müssen Nachweise vorliegen. Für den regulären und legitimen Erwerb benötigt man den Schwarzpulverschein, der als zu absolvierender Kurs mit Prüfung die persönliche Eignung im Umgang mit gefährlichen Stoffen vorsieht. Für die Unterbringung solcher Stoffe ist ein Waffenschrank zwingend vorgeschrieben, denn es handelt sich um Sprengstoff.

Wer genau auf die Idee kam, mit diesem Pulver Geschosse aus Rohren herauszubeschleunigen ist unbekannt, das Grundprinzip aller Feuerwaffen ist bis heute von der Kanone über den Mörser bis zum Gewehr und Pistole seit Anbeginn ähnlich geblieben: Eine Treibladung am geschlossenen Ende eines Rohres beschleunigt ein Geschoss so stark, dass es in ein Ziel, das sich in einiger Entfernung befindet, einschlägt.

Die ganz frühen Feuerwaffen bestanden noch aus einfachen Eisenrohren, die an einem Ende verschlossen waren und über ein kleines Zündloch am geschlossenen Ende verfügten. Das Schwarzpulver wurde von vorne eingefüllt, es folgte die (zunächst noch aus Eisen oder einem gerundeten Stein bestehende) Kugel und das Ganze war (mit nicht seltenen Rohrkrepierern, die oft für den Schützen verheerend endeten) schussbereit.

Frühe "Handkanonen" tauchen in d. Zeit nach 1400 auf. Gezieltes Schießen war mit diesen "Feuerrohren" unmöglich, demzufolge waren Treffer reiner Zufall. Allein der Knalleffekt gepaart mit Mündungsblitz und Pulverdampf sorgten am Anfang für Panik unter dem gegnerischen Fußvolk. Zu dieser Zeit waren wirklich effektive Schusswaffen noch Pfeil und Bogen oder Armbrust.

Während sich die Kanonen aufgrund ihrer großen Zerstörungskraft sehr schnell als kriegsentscheidende Waffe durchsetzen konnten gewannen die Handfeuerwaffen erst an Bedeutung als es möglich wurde sie zielgerichtet und mit ausreichender Durchschlagkraft gegen bewegliche Ziele einzusetzen. Im Gegensatz zu den Handfeuerwaffen veränderte sich das Zündsystem der Kanonen über viele Jahrhunderte nicht.

Für die Kriegstauglichkeit wichtigste Weiterentwicklungen waren neben der Steigerung der Durchschlagkraft und materiellen Verbesserungen ( Gewicht und Größe der Waffe, Material, Schaft ) die Entwicklung des Schussauslösers auf Abruf, der das Zünden mittels glimmendem Span ablöste und ein gezieltes Ausrichten der Waffe möglich machte.

Luntenschloss

Das erste Schloss, das mittels (damals noch primitivem) Abzug eine Lunte zum Zündpulver führte tauchte noch lange vor 1500 auf. Es wurde mit diesem Schloss möglich, eine Handwaffe im auf dass Ziel ausgerichteten Zustand abzufeuern.

Radschloss

In den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts entwickelte Johann Kiefuss aus Nürnberg das Prinzip des Radschlosses, das gegenüber dem Luntenschloss (die Lunte brannte immer) den Vorteil bot, den Zündfunken durch Kratzen der Feder am Feuerstein in dem Augenblick zu erzeugen in dem er gebraucht wurde. Das Radschloss musste mittels eines Schlüssels aufgezogen werden.

Schnapphahnschloss

Um das Jahr 1570 ersetzte das Schnapphahnschloß, die frühe Form des Steinschlosses das Rad schloss. In seiner Funktion wird wie beim Steinschloss der Feuerstein auf den Flügel des Pfannendeckels geschlagen wodurch der Zündfunke erzeugt wird.

Steinschloss

Das Steinschloss löste das Schnapphahnschloss gegen etwa 1610 - 1615 ab. Ältere Schlossformen wie Luntenschloss und Radschloss wurden noch bis ins späte 17. Jahrundert hinein regulär verwendet. Heute sind sie wie Perkussions- und Steinschlosswaffen als Replikas bei Sportschützen und in den Bürgerwehren wie auch beim Reenactement in Nutzung.

Perkussionsschloss

Das Perkussionsschloss wird gegen 1805 - 1810 entwickelt und bietet das Zündhütchen, das mittels des Hammers abgeschlagen wird als Ersatz für den Feuerstein. Steinschloss und Perkussionsschloss werden auf der Unterseite Steinschloß-Perkussion näher beschrieben. Sie sind für Trapper und Indianer, aber auch für das Reenactement mit die wichtigsten Systeme. Da sich die Seiten auf das Thema Vorderladerwaffen beschränken wird auch hier nicht weiter auf die Entwicklung der moderneren Patronenwaffen eingegangen.

Kimme und Korn

Ein Punkt auf den hier allerdings nicht weiter eingegangen wird ist die Visierung. Ohne Korn (am vorderen Laufende aufragend) ist eine Zielausrichtung extrem schwierig. Um zielgenau schießen zu können ist auch eine Kimme erforderlich. Stimmen Kimme und Korn mit einander überein, so lässt sich beim Blick durch die Kimme aufs Korn der Punkt bestimmen auf den die Waffe zielt, sie dienen als Peilhilfe zur Ausrichtung der Waffe auf das Ziel, die als gedachte Linie (Kimme - Korn - Ziel) fungiert.

Wobei eine simple fest eingestellte Kimme nur auf eine bestimmte Entfernung treffsicher ist. Durch die ballistische Flugbahn eines Geschosses, welche einen Bogen beschreibt, die abhängig von Geschoßbeschleunigung, Projektilmasse und Erdanziehungskraft ist, wird die Treffsicherheit zwar mathematisch berechenbar, dennoch mit einstellbaren Visieren, nicht unbedingt wahrscheinlicher. Weil auch das verreißen des Gewehrs und oder Unaufmerksamkeit den Schuß weit über das Ziel hinaus oder bereits vor dem Ziel einschlagen lässt.

Nachtrag zum Schwarzpulver

Die Zeit von Schwarzpulver als Treibmittel für Feuerwaffen endete mit der Entwicklung neuerer und effektiverer Sprengstoffe (Nitrierung organischer Kohlenstoffträger, wie Zellulose) zur Zeit der aufkommenden Patronenwaffen. Heute wird Schwarzpulver in erster Linie als Sprengstoff für spezielle Aufgaben, in der Pyrotechnik und bei den Sportschützen für Vorderladerwaffen eingesetzt. Nitropulver hat im Gegensatz eine geringere Rauchentwicklung und eine geringere Zeit bei der Expansion des sich in der Patrone entwickelnden Treibgases.


Reenactment(Wiederaufführung, Nachstellung) nennt man die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise.

Nitrierung: Prozess durch Einsatz von Säuren aus Salpeter und Schwefel.