von 1773

 bis 1858

Gilde:

Es stammt wohl, wie schon die meisten Wortforscher behauptet haben, von Geld und gelten, ehedem gelden her, und bezeichnet eigentlich eine solche Gesellschaft, welche sich zu ge= wissen gemeinschaftlichen Kosten verbindet, wie Gelag, von zusammen legen; indem Geld ehedem auch von einer jeder Steuer, von einer jeden Anlage, selbst von Collecten gebraucht wurde. Ne villani collectam faciant quam vulgo Geldam vocant, heißt es in Capit. Karlomanni von 882 bey dem Sehilter; und in den Act. Synodi Duriens. von 779, bey dem Harzheim kommt Gildonia für coetus, contubernium, vor. Indessen muß es doch auch schon sehr früh von Gemeinschaft, Verbindung überhaupt seyn gebraucht worden, indem es schon in der alten bekannten Entsagung des Teufels von 743 heißt: Forsachistu--allom diabol gelde? entsagest du aller Gemeinschaft mit dem Teufel? Im Lappländischen ist Gelde eine Dorfschaft.

[die], ein Wort, welches in Niederdeutschland und den mitternächtigen Ländern am bekanntesten ist.

1. Eine geschlossene Gesellschaft, welche zu gewissen Zeiten auf gemeinschaftliche Kosten schmauset, dergleichen Gesellschaften ehedem sehr häufig waren. Im Angels. Gild, im Schwed. Gilde, im Engl. Guild. Daher denn in weiterer Bedeutung auch wohl ein jeder Schmaus, eine jede Zeche, und die dazu versammelten Personen, ein Gelag, ein Gilde genannt werden.

2. In noch weiterer Bedeutung, eine jede Gesellschaft, d. i. mehrere zu Erreichung einer gemeinschaftlichen Absicht verbundene Personen. Die Schützen=Gilde, die Schützengesellschaft. Besonders sind in den niedersächsischen Städten die Zünfte oder Innungen der Handwerker, unter dem Nahmen der Gilden bekannt. In den meisten solcher Städte werden kleinere Zünfte Gilden, größere aber Aemter genannt, dagegen in Osnabrück, wo die gesammte Bürgerschaftin Gilde und Wehr eingetheilt ist, die Gilde zehen Aemter oder große Gilden unter sich begreift.

Daher das Gildebier, in Niedersachsen Bier, welches von einer geschlossenen Gesellschaft gemeinschaftlich vertrunken wird, und die Versammlung dieser Gesellschaft selbst. Gildebrief, ein schriftliches Zeugniß, daß jemand ein Genoß einer Gilde oder Zunft ist; ein Zunftbrief. Gildebruder, ein Mitglied einer solchen Brüderschaft oder Gilde. Gildemeister, der Vorgesetzte einer Zunft oder Gilde.

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Bier:

Hadeler Bier, im Lande Hadeln, welches zum Herzogthun. Lauenburg gehört, heißt Sähl den Kerl.

Halberstädter Breihahn, siehe unter Bierbrauen, beim Weißbier.

Hallische Biere, sind der berühmte, und in Absicht der Gesundheit als schädlich beschriene Puff, das Giebichensteiner, und das Löbegüner.

Hamburger Bier, wird aus Weizen= und Gersten=Malz bereitet, und weit und breit, ja gar bis nach Dännemark und Norrwegen verführet. Es verdient unter den Weizenbieren den ersten Platz, hat einen guten und angenehmen Geschmack, viele wesentliche Theile, giebt einen guten Nahrungssaft, und erzeuget ein gutes Blut. Es verliert aber bald mit dem Alter seine Kraft, nach Art der übrigen Weizen=Biere, und dauert nicht lange. Es läßt nicht leicht bei denen, die es trinken, den Stein entstehen, und giebt nicht nur eine gute natürliche Farbe, sondern auch eine zarte und reine Haut, wenn man sich damit wäscht. Viele bedienen sich desselben, um den Leib zu eröffnen, entweder allein, oder sie nehmen Butter darzu. Einige glauben, daß es in allen Krankheiten helfe, wie dem Cato sein Kohl. Wenn es unmäßig getrunken wird, verunstalltet es das Gesicht, und bringt in demselben viel Blattern, Finnen und Ausschlag hervor, und erregt eine unnatürliche Röthe.

Harlemer, ein braunes Bier.

Helmstädter, führt den Nahmen Klapitt, oder Klepitt.

Hersprucker, s. unter Fränkische Biere.

Herforder, ist unter dem Nahmen Ramna bekannt.

Jenaisch Bier. Das Stadtbier daselbst führt die Nahmen Klatsch und Maulesel. Das Dorfbier bei Jena, wird Dorfteufel, und das beßte, seiner Fettigkeit wegen, Menschenfett genannt.

Kieler Bier, im Herzogthum Holstein, führt die Benennung Witte.

Königslutterscher Duckstein, oder Duchstein, Tuchstein, ein vortreffliches Weizenbier, welches zu Königslutter, 3 Meilen von Braunschweig, gebrauet wird, und von dem Tuffstein seinen Nahmen hat, daraus das Wasser, die Lutter, hervorquillt. Es wird aus lauter Weizen, welcher durch besondere Handgriffe in Malz verwandelt wird, und dem Lutterschen Wasser gekocht, und hernach in besondern Gefäßen, welche man Stannen nennt, gegohren. Es stärkt vornehmlich den Magen, macht Appetit zum Essen, befördert die Verdauung, führt durch den Schweiß und Urin ab, und ist für diejenigen sehr dienlich, die von Stein und Podagra geplaget werden.

Kurze Beschreibung und genaue Untersuchung des fürtrefflichen Weizenbiers, Duckstein genannt, welches zu Königslutter im Herzogthum Braunschweig gebrauet, und wegen seines guten Geschmacks und herrlichen Qualitäten bey Gesunden und Kranken durch ganz Deutschland verfahren wird; dem Vaterland zu schuldiger Liebe und allen Liebhabern zur Ergötzung communici ret von F. E. Brückmann. Brschw. 1723, 4. 7 B.

In Königslutter wird auch ein Braunbier gebrauet, welches man Erntenbier nennet, weil es zur Zeit der Ernte getrunken wird. Es kühlet und erfrischet, hat auch dabei keinen übeln Geschmack.

Kopenhagner Bier, das weiße sowohl als das braune, ist mit vielen guten Bieren in Deutschland zu vergleichen.

Kottbusser, oder Kottwitzer, in der Niederlausitz, ist ein gutes, dem Breihahn fast gleichendes Bier, wärmet aber mehr den Magen.

Kyritzer, s. unter Märkische Biere.

Laufer, s. unter Fränkische Biere.

Leipziger Stadtbier, Rastrum genannt, ist ein sehr schlechtes Getränk, besonders im Sommer. Die unangenehme Süße desselben, sein trübes und unreinliches Wesen, sein Geneigtseyn, sauer, ja gar stinkend zu werden, machen es Einheimischen sowohl, als Fremden, höchst zuwider.

Jo. Christ. Simon Betrachtungen über das Leipziger Rastrum, und die Möglichkeit, ein besseres Bier daselbst zu brauen, st. in dessen Kunst des Bierbrauens, Dresd. 1771

Liefländisch Bier, Lorche genannt, wird, wie das Curländische Steinbier, vermittelst glüend gemachter Steine gebrauet, und hat mit solchem gleiche Kraft.

Lippenisch Bier, aus einem Städtchen auf der Hinterpommerschen und Pohlnischen Gränze gelegen.

Löbegüner, s. unter Hallische Biere.

Lübecker oder Lübisch Bleichbier, Israel genannt, ist ziemlich guten Geschmacks, aber hitzig. Es dienet dem verkälteten Magen, und ist in einigen Ost=Seestädten in solchem Ruhm, daß auch ganze Schiffs=Ladungen voll dahin verführt werden. Es wird auch noch eine andere Art von Bier zu Lübeck gebrauet, welches man Seebier nennet, weil es sich zur See sehr gut halten kann, weil es stark von Hopfen, und reich von Malz ist. Es giebt dem Zerbster und Magdeburger an Geschmack nichts nach, wie es denn seit vielen Jahren von der Dänischen Ostindischen Compagnie auch nach Ostindien gesandt worden.

Märkische Biere. Das Bernauische, aus dem Städtchen Bernau, 3 Meilen von Berlin, ist schwarzbraun, stark, bitter und gesund, und behält im Sommer vor vielen andern den Vorzug. Das Brandenburgische, welches in der Stadt Brandenburg gebrauet wird, macht träge und schläfrig, und hat daher den Nahmen Alter Claus bekommen. Das Dalwitzer, 2 Meilen von Berlin. In Frankfurt an der Oder, wird das berühmte Carthäuserbier gebrauet. Vom Frankfurter Bier, Büffel genannt, handelt Brückmann, in seinem Catal. S. 12. Das Fürstenwalder, 7 Meilen von Berlin, ist ein gut Gerstenbier. Gardelebischer oder Garlebischer Garley, L. Gardelegia, oder Garlia, in der Altmark, wird aus der großen zweizeiligen Gerste (Hordeum distichon) gebrauet, welche diesem Biere eine stark=nährende Kraft giebt; und weil man demselben gar wenig Hopfen hinzusetzet, so behält es einen süßlichen angenehmen Geschmack, nebst einer durchsichtigen braungelben Farbe. Es wird für eins der beßten und gesundesten Biere gehalten. Nebst diesem starken und doppelten Garley, wird auch ein gemeiner Garley aus kleiner Gerste gesotten, welcher aber nicht so edel, als jener, ist. Dem doppelten Garley zu Ehren, hat Heinr. Meibom, Prof. zu Helmstädt, gar schöne Verse gemacht, in welchen er dieses Bier sogar dem Wein gleichschätzen will. Das Kyritzer, in der Altmark, ist, seiner Stärke wegen, Mord und Todtschlag genannt worden. Das Nauensche Bier, in der Mittelmark, Zitzenille genannt, ist dick und berauschend, daher die Verse entstanden: Wer Zitzenille trinken will, der mus drei Tage liegen still. Das Ruppiner Bier ist reich von Malz, aber arm von Hopfen, daher es nicht sehr bitter. Seine Farbe ist lichtroth. Wegen seiner dicken Substanz giebt es viel Nahrung, und für müßige Leute fast zu viel; hingegen ist das Ruppinische Speisebier um soviel erträglicher, und gleichet fast an Farbe und Klarheit dem Spanischen Wein. Das Salzwedelsche Bier, in der Altmark, ist kräftig, und wird dem Garley gleichgehalten; jedoch erregt es leicht Steinschmerzen, und trocknet die Kehle, wenn es unmäßig getrunken wird, weil der Weizen, den man dazu nimmt, gar zu sehr gedörret wird. Das Spandauer Bier, 2 Meilen von Berlin, ist fein, lauter und rein, hat einen guten und angenehmen Geschmack, giebt gute Nahrung, treibt den Urin, macht einen ruhigen und sanften Schlaf.

Magdeburger Bier, Filz genannt, kommt fast dem Zerbster gleich, und wird bis nach Hamburg verführet.

Mannheimer Bier.

Marpurgisch Bier, führet den Nahmen Junker.

Meklenburgische Biere. Das Rostocker ist sehr gesund, nähret wohl, stärket den Leib, und hat überdem einen guten Geschmack und Farbe. Das im März gebrauete, hält sich etliche Jahre, und wird daher weit und breit verfahren. Das in Wismar gebrauete, wird, wie in Braunschweig, Mumme genannt.

Calendarii Mecklenburgensis juridico-historico-curiosi Sectio tertia, ab ERN. JO. FRID. MANZEL. Rostoch. 1757, 4. handelt auch von verschiedenen Meklenburgischen Bieren.

Merseburger, ein sehr berühmtes, wohlschmeckendes und gesundes Braunbier, Heidecker genannt, welches weit verführet wird. Daß dasselbe einen etwas brandigen Geschmack hat, rührt wohl daher, weil, bei dessen Zubereitung, das Malz auf härenen Darr=Tüchern, wohl Schuh hoch aufgetragen, auch wohl gar nicht gewendet wird, bis es trocken genug ist, und die Darren gewölbte Einheizungen haben, da die Hitze, nebst dem Rauch, durch Seitenöffnungen durch das Malz gehet. Seine Bitterkeit stärket den Magen, und befördert die Verdauung; sein Reiz in den Gedärmen unterhält die Oeffnung des Leibes; und da es zugleich den Trieb des Blutes ein wenig beschleuniget, so befördert es den Abgang des Urins und die unmerkliche Ausdünstung sehr merklich.

Minder, s. unter Westphälische Biere.

Miser Weizenbier, s. unter Böhmisch Bier.

Möllenisch Bier, wird in der Stadt Möllen, im Herzogtum Lauenburg, gebrauet, und heißt Laucke.

Moll, siehe Niemäger.

Mühlhauser, ist ein starkes, an Malz und Hopfen reiches, Bitterbier.

Münsterisch, Bier, Koite genannt.

Nauensches, s. unter Märkische Biere.

Naumburger, s. unter Thüringische Biere.

Niemäger oder Nimwegisches Weißbier, im Herzogtum Geldern, Moll genannt, wird sehr häufig durch ganz Holland getrunken.

Nürnberger, s. unter Fränkische Biere.

Oschatzer Bier, in Meissen, ist kaltgährig, und für schwache Magen etwas schwer.

Osnabrücker, s. unter Westphälische Biere.

Osteroder Bier; es giebt weißes und braunes.

Paderbornisch Bier, machet dick Geblüt, ist aber annehmlich zu trinken.

Pohlnische Biere. Pohlen liebet besonders die weißen Biere, die es auch verschieden, und sehr vortrefflich, hat; z. E. das Gräzer und Lobsenzer, vornehmlich aber das Waretsker Bier, welches leztere, wenn es alt geworden, an Klarheit und Farbe dem Weine gleichet.

Pommersche Biere. Unter diesen ziehet man besonders das Stralsundische allen andern vor; auch ist das Colbergische, welches, von der ins Schwärzliche fallenden Farbe, den Nahmen Black führet, ein ganz gutes Bier. Das Barthische, ist kühlend, und wird, wegen seines guten Geschmacks, zu Lande und Wasser verführet. Das Wolgaster, heißt Hösing. Das Wolliner, wird Bockhänger oder Bockhinger genannt, und ist sehr berauschend. Stolpe, in Hinterpommern, hat ein weit und breit, und fast dem Kniesenack beikommendes, berühmtes Bier.

 

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entnommen und erfasst 14.04.2009