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Die Zitrone
Die Citrusarten waren den antiken Kulturen in ihrer besten Zeit unbekannt; erst durch die Kriegszüge
Alexanders des Großen (356 - 323 v. Chr.) erfuhren die Griechen von einem Wunderbaum mit goldenen Früchten
in Persien und Medien, den Theophrast zuerst beschrieb: seine Früchte sind nicht genießbar,
duften schön, halten die Motten ab, sind wirksames Gegengift und verbessern, wenn man das
gekochte Fleisch im Mund ausdrückt, den Atem. Dieser medische Apfel erschien nach Gründung
der griechischen Königreiche in Vorderasien auf dem europäischen Markt und wurde mit
den
Hesperidenäpfeln verglichen, unter welch letztern aber schwerlich die Citrusfrüchte zu
verstehen sein möchten.
Die angebliche Eigenschaft medischer Äpfel, Ungeziefer abzuwehren, verschaffte ihnen den
Namen Citrus, Malum citreum; denn als Kedros wurden die duftenden, unzerstörbaren
Koniferenhölzer bezeichnet, welche selbst den Würmern widerstanden und die Kleider vor
denselben bewahrten, und der zu gleichem Zweck benutzte Apfel galt nun als Frucht des
Kedrosbaums. Plinius erzählt von vergeblichen Versuchen, lebende Pflanzen in Kübeln
nach Europa zu bringen; sie starben ab oder setzten wenigstens keine Früchte an. Ein
oder anderthalb Jahrhunderte nach Plinius muß aber der Baum schon ein wirklicher Schmuck
der Villen und Gärten begünstigter Landschaften gewesen sein; Florentinus beschreibt im
3. Jahrhundert n. Chr. die Kultur der Kitreai ganz in der Art der noch heute in Ober-
italien gebräuchlichen.
Nach Palladius (Mitte des 4. Jahrh.) wuchsen Citrusbäume auf Sardinien und bei Neapel im
Winter und Sommer unter freiem Himmel. Der medische Apfel der Alten, welcher zuerst be-
kannt geworden war, war aber nicht die Zitrone, sondern die Frucht des Cedratbaums (Citrus
medica Risso), welcher sich in der persischen Provinz Gilan, einem Teil des alten Medien,
noch ganz in dem Habitus, welchen Theophrast beschreibt, findet, und auf dessen Frucht
allein die gelegentlichen Äußerungen der antiken Kulturen passen.
Sie kam zur Zeit der ersten römischen Kaiser nach Italien. Unsre Zitrone, die Limone des
Südens, heißt so nach dem arabischen limun, welches aus dem Persischen, indirekt aus dem
Indischen (limu) stammt. Damit ist die Herkunft der Limone angegeben; um das 10. Jahrh.
kam sie nach Ägypten und Palästina, und wir wissen, daß sie 1240 in Europa noch nicht wuchs.
Kreuzfahrer oder Handelsleute der italienischen Seestädte oder die Araber brachten die
Zitrone zuerst nach Europa, und ihr stark saurer Saft diente hier wie im Orient bald als
beliebte belebende Beigabe zu vielen Speisen und gab mit dem zu gleicher Zeit bekannter
werdenden Zucker die vielbegehrte Limonata ab. Auch die Pomeranze kam um diese Zeit durch
Araber oder Kreuzfahrer nach Europa; aus Indien hatte man sie (912) nach Persien gebracht,
wo sie nareng genannt wurde; die Araber nannten sie narang, und daraus wurde byzantinisch
nerantzion.
Schon in Westasien hatte die Frucht viel von dem süßen Duft und der schönen Farbe verloren,
welche sie einst in Indien besaß, und bei dem weiten Übergang nach Europa verblich sie noch
mehr; aber trotzdem entstand der französische Name orange nach dem hineinspielenden Begriff
von or, aurum, Gold. Die Apfelsine, ital. portogallo, enthält ebenfalls in ihrem Namen ihre
Geschichte. Sie kam erst nach Ausbreitung der portugiesischen Schiffahrt aus dem südlichen
China, angeblich zuerst 1548, nach Europa, und der europäische Urbaum stand noch lange zu
Lissabon im Haus des Grafen von St. Laurent; von dort gelangte sie bald nach Rom und verbrei-
tete sich an den Küsten des Mittelländischen Meers bis tief nach Westasien hinein. Selbst
die Kurden nennen sie portoghal. Auch nach Amerika brachten Portugiesen und Spanier den Baum,
der in den tropischen Gegenden der Neuen Welt wunderbar gedieh. Die Mandarinenorangen wurden
erst im 19. Jahrhundert bekannt, der aus China herübergebrachte Ahnherr aller europäischen
Mandarinenbäume wird noch im botanischen Garten zu Palermo gezeigt. Die Bergamotte ist seit
dem Ende des 17. Jahrhundert bekannt. Die Orangenbäume werden bei uns in Kübeln kultiviert
und in Kalthäusern (Orangerien) bei 3-6° überwintert. Sie erreichen ein Alter von 600-800 Jahren.
Vgl.
* Ferrari, Hesperides sive de malorum aureorum cultura et usu (Rom .* 5. 1646);
* Gallesio, Traité de Citrus (Par. 1811);
* Risso, Essai sur l'histoire naturelle des orangers (das. 1813);
* Risso und Poiteau, Histoire naturelle et culture des orangers (das. 1818-19;
neue Ausg. von Du Breuil, 1872). aus: Meyers Konversationslexikon
Die Symbolik
der Zitone im Zusammenhang mit Gilde findet sich im Kontext folgenden
Hinweises
22.06.2008 erfasst
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